• Christoph Stelzer

Konsumausgaben in Österreich

Letzte Woche konnten wir die Einkommensseite der Haushaltsrechnung beleuchten. Doch wie siehts mit den Ausgaben abseits von Sparen und Finanzieren in Österreichs Haushalten aus? Diesen (meist wesentlich großen Block) einer Haushaltsrechnung sehen wir uns im heutigen Beitrag an.



Private Ausgaben von € 22.700 pro Kopf im Jahr

Jeder Einwohner in Österreicher gibt im Durchschnitt € 22.700,- pro Jahr für Konsumzwecke aus. Im europäischen Vergleich liegt Österreich damit an 7. Stelle. In den letzten zehn Jahren ist dieser Wert um insgesamt 26% gestiegen. Das bedeutet sogar inflationsbereinigt ein leichtes Plus. Wofür dieses Geld ausgegeben wird, hat sich jedoch stark verändert.


Was versteht man unter Konsumausgaben?

Die Konsumausgaben beinhalten alle Ausgaben, die ein Einwohner innerhalb eines Jahres für Anschaffungen oder Dienstleistungen in einer bestimmten Warengruppe tätigt unabhängig von der Beschaffungsquelle (im In- oder Ausland). Die Angaben beinhalten die gesetzliche Mehrwertsteuer.

Veränderte Ausgabenstruktur: Mehr für Ernährung und Wohnen

Aktuell ist bei den Ausgaben der „größte Brocken“ – und weiterhin steigend - mit € 3.900 die Ernährung. Der Anteil an den Gesamtausgaben hat sich in den letzten zehn Jahren von 15 % auf 17 % erhöht. Der Wert für Wohnen folgt mit € 3.800 knapp dahinter, auch dieser Anteil hat sich seit 2008 von 15 % auf 17 % erhöht. Zählt man die Heizungs- und Energiekosten mit, so beträgt der Anteil der Wohnkosten sogar 21% an Konsumausgaben gesamt. Die Bereiche Verkehr (€ 3.100) und Erholung/Bildung (€ 2.400) haben sich hingegen anteilsmäßig nicht verändert. Für klassische Konsumprodukte wie Bekleidung, Schuhe, Elektronik, Hausrat, Möbel, etc. (insgesamt € 3.100) wird hingegen heutzutage anteilsmäßig weniger Geld ausgegeben als noch vor zehn Jahren. Der Einzelhandel kann aktuell nur mehr 26 % der privaten Konsumausgaben binden – vor 10 Jahren waren es noch über 30 %.

Verzehr außer Haus nimmt kontinuierlich zu

Deutlich mehr Geld als im Jahr 2008 geben die Österreicher aktuell für die Ernährung (+ 45 %) aus. Ausschlaggebend für die Steigerungen im Bereich Ernährung sind insbesondere die höheren Ausgaben für den Verzehr außer Haus (+ 67 %). Das Außer-Haus-Essen beträgt rund 34 % der gesamten Konsumausagen für Ernährung, vor 10 Jahren waren es noch bescheidenere 29 %. Immer mehr Österreicher bevorzugen es, außer Haus zu konsumieren. Neben beruflichen Gründen tragen dazu auch das immer wichtiger werdende gesellige Beisammensein und Bequemlichkeit bei. Auch die Systemgastronomen bieten viele neue interessante Konzepte an, was den Anforderungen des modernen Verbrauchers entspricht. Die Konzepte reichen von schnellem, billigem Hungerstillen über trendige bio-, vegan und sonstiges Gesund-Essen zu gediegeneren Wohlfühlrestaurants für Steaks, Sushi oder Fusionsküche.


Trend zur gesunden Ernährung treibt die Ausgaben für Lebensmittel

Die Produktkategorien Obst und Gemüse (+ 45 %), Alkoholfreie Getränke (+ 42 %), Brotwaren (+ 42 %) sowie Milchrodukte und Eier (+ 35 %) tragen zu der Steigerung der Konsumausgaben für Ernährung überdurchschnittlich bei. Der Anstieg ist auf den umfassenden Trend zur gesunden Ernährung – und damit teureren Produkten - zurückzuführen. Die Konsumenten investieren mehr in Bio-Lebensmittel, und der Anteil an Bioprodukten steigt weiter. Es werden auch mehr Obst, Gemüse und Milchprodukte von regionalen Bio-Produzenten konsumiert. Die Steigerung der Konsumausgaben für Tiefkühlprodukte, Alkoholische Getränke und Fleischwaren ist vergleichsweise unterdurchschnittlich.


Was kostet „Wohnen“ in Österreich?

Die Ausgaben für das Wohnen sind in den letzten 10 Jahren auch deutlich überdurchschnittlich gestiegen (+ 41%). Der Löwenanteil wird für Netto-Mietzahlungen ausgegeben, wobei das in absoluten Zahlen rund 2.500 € pro Jahr für einen Österreicher ist. Die Ausgaben für die Innenausstattung betragen zurzeit rund € 1.600 pro Kopf im Jahr. Am ehesten hält sich allerdings Österreich beim Kauf von Möbeln, Teppichen und Böden zurück, der Dekobereich ist allerdings stark steigend.

Ausgaben für Herrenbekleidung verzeichnen höhere Wachstumsraten

Im Durchschnitt gibt eine Frau € 400 und ein Mann € 280 für Bekleidung aus. Für das gute Aussehen der Kinder werden € 110 pro Jahr investiert. Die Steigerung dieser Ausgaben ist in den letzten Jahren stetig, aber jeweils klar unter der Inflationsrate, was somit einen wertmäßigen Rückgang bedeutet. Betrachtet man die Enwticklung der Konsumausgaben für Bekleidung in den vergangenen 10 Jahren, ist ein Trend zu erkennen: Die Ausgaben für Herrenbekleidung (+14%) sind doppelt so schnell gewachsen, als die für Damenbekleidung (+7%). Man kann davon ausgehen, dass die FastFashion Trends die Verbraucher unterschiedlich beeinflussen. Frauen kaufen tendenziell mehr Kleidung, haben aber oft mehr Auswahl an günstigen Fast-Fashion-Angeboten, was das Wachstum der absoluten Ausgaben einschränkt. Männer, hingegen, haben oft bessere Auswahl an Bekleidung in höheren Preisklassen.


Quelle: RegioData: Studie: Konsumausgaben in Österreich, November 2019.

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